Der Weg eines mutigen Lehrers

Kürzlich erhielt ich einen Brief von Ingo. Er ist mit Herzblut Lehrer, zeigt und lebte dies und musste genau deshalb gehen. Wirkliche Lehrer will das Bildungssystem nicht, denn wirkliche Lehrer schulen für das Leben. Er möchte nicht, muss aber anonym bleiben, um seine neue Lebensgrundlage nicht zu gefährden. Ich habe großen Respekt vor diesem mutigen Menschen und seinem Weg.

Möge der Einblick in seine Lebensgeschichte all denjenigen Mut machen, die darüber nachdenken mit ihren Kindern eigene Wege zu gehen.

Hier sind seine Zeilen:

Lieber Uli,

ich möchte Dir vom ganzen Herzen für Deinen Einsatz danken. Ferner stimme ich Dir in Deinen Analysen zum jetzigen Schulsystem in allen Punkten zu. Deine Theorien und die von Gerald Hüther waren für mich prägend in meiner eigenen Schultätigkeit. Ich habe dieses Wissen genutzt, um anderen Unterricht zu ermöglichen, was ich den jetzigen Schulstrukturen sehr schwer war.

Bei realistischer Betrachtung ist der Schulaufbau ein Umfeld zur Verhinderung vom sinnvollem Lernen. Trotzdem durfte ich erfahren, dass selbst in diesen lernfeindlichen Über- und Unterbau freiwilliges Lernen möglich ist. Hier ist die Entfachung von Begeisterung und die Auflösung von Zwangsrollen von entscheidender Bedeutung. Bevor die jungen Menschen bereit waren freiwillig zu lernen, mussten sie meine Rolle als Lehrer (Beurteiler, Sanktionierer, Feind….) neu erfahren.

Das wichtigste Kriterium dafür war aus meiner Erfahrung – Authentizität. Ich habe mich den Schülern als der Mensch gezeigt, der ich bin. Nach einer Zeitspanne des Misstrauens, konnten wir uns als Menschen (Naturwesen) begegnen und die systemischen Rollenzuweisungen lösten sich auf. Im zweiten Schritt haben wir uns die schulische Realität bewusst gemacht, die unsere Zusammenarbeit behindert hat.

Durch diese fortlaufenden Analysen der systemischen Zwangslagen, konnten wir eigene Vorgehensweisen zu deren Abfederung entwickeln. Des Weiteren war es den Schülern immer möglich zu verstehen, warum auch ich in gewissen Situationen nicht nach unseren Vorstellungen entscheiden konnte, da ansonsten die Abwehrreaktionen des Systems nicht mehr händelbar gewesen wären.

Im nächsten Schritt durften die Schüler frei Ihre Themen wählen und darüber selbstgestaltete Präsentationen durchführen. Ich fühlte mich in dieser Zeit wie im Paradies, da ich merkte, wie die Schüler Metakompetenzen entwickelten und wir als Gruppe zusammenwuchsen. Die Rollengrenzen verschwammen und die meisten Gruppenregeln wurden von den Schülern selbst gesucht und festgelegt – ich hatte die Rolle als Sanktionierer verlassen, wundervoll.

Die Problematik der Bewertungen konnte leider nicht vollständig aufgelöst werden, da diese natürlich für die Schüler weiterhin einen wichtigen Bereich darstellten. Hier konnte man über das geschaffene Vertrauen aber zu guten Kompromissen finden. Zu dem damaligen Zeitpunkt hatte ich wirklich gedacht, dass ich das System überlistet habe, was leider aber nicht der Wirklichkeit entsprach.

Mein damaliger Bewusstseinszustand hatte einige blinde Flecken, wodurch ich die entstehenden Angriffsflächen gegenüber meiner Person (hier war ich in der Zwangsrolle der Person, da es innerhalb der Matrix umgesetzt wurde) nicht wahrnehmen konnte.

1. Aus Begeisterung entstehen gute Noten = Vorwurf von einer inflationären Notengebung, da meine Kollegen die Schüler anders wahrnahmen und erlebten.

2. Ablehnung meiner Klasse = Vorwurf des Querulantentums.

3. Vergabe des Status als Sonderling = Insultation als Lehrkraft.

4. Kritik an den Lehrinhalten und Klassenmanagement = Meine fachliche und soziale Kompetenz wurde angezweifelt. Vorwurf der Vermittlung von realitätsfernen Theorien (z.B. Schuldgeldsystem, Eurokrise, Konkurrenz vs. Kooperation …..) und zu kooperativer Führungsstil.

Nach und nach wurden diese Vorwürfe gegen meine Klasse und mich in Stellung gebracht und ich war gezwungen, Abnutzungskämpfe zu führen. Gerade mein Einsatz für die Rechte der Schüler, hat zu einer weiteren Entfremdung zu meinen Kollegen geführt, sodass ich zum Schluss als Einzelkämpfer dastand und immer mehr Energie verloren habe. Letztendlich hat das System (insbesondere durch angstgesteuerte Systemlinge) gewonnen und ich habe um meine Entlassung aus dem Beamtenverhältnis gebeten.

Diese Ereignisse liegen nun mittlerweile 2 Jahre zurück und aus meinem jetzigen Blickwinkel waren sie ein großes Geschenk für mich, da ich dadurch als Mensch weiter reifen durfte. Ich gehe zur Zeit davon aus, dass das heutige antischöpferische System nicht langsam, sondern in einem großen Knall untergehen wird und alle Freigeister und ihre Arbeit diesen Zusammenbruch nur beschleunigen werden aber nicht der wahre Grund sind. Der wirkliche Grund wird die Rückbesinnung der Menschheit auf Ihr wahres Sein darstellen: Der Mensch als soziales, beseeltes und freiheitliches Naturwesen, welches den kosmischen Gesetzen unterliegt!

Ich wünsche Dir für Deine weitere Berufung vom ganzen Herzen alles Gute und verbleibe

mit vielen lieben Grüßen

Ingo