Wann bin ich sympathikoton, wann parasympathisch?

Die Frage von Karin B.

Das Simplonik Handbuch habe ich 2 mal durchgelesen sowie gewisse Passagen weitere Male. Ich mache mir nun Gedanken darüber, wann ich in der Sympatikotonie und wann in der Parasympatikotonie bin. Laut dem Handbuch ist jede Muskelanspannung Sympatikus gesteuert. Da ich mich aber beim fast täglichen Ausdauersport im Wohlfühltempo jeweils entspanne würde ich diese Tätigkeit für mich als Entspannung einordnen. Ich führe meinem Körper viel Sauerstoff zu. Oder zB wenn ich ein Buch lese: ich muss mich konzentrieren, dies bedeutet Anspannung, diese Tätigkeit kann aber sehr wohl entspannend sein. Ich wäre ihnen sehr dankbar wenn sie mir helfen könnten diese Frage zu klären, da sich das Modell von 20/80, Sympatikus/ Parasympatikus wie ein Leitfaden durch das Buch zieht. Oder ein Gespräch mit Freunden, dies kann doch für den einen entspannend, für den anderen anspannend wirken.

Meine Antwort

Selbst das Laufen bei geringer Belastung ist nur mit Sympathikotonie möglich. Meditativ extrem langsames Gehen wäre die einzige Fortbewegung, die noch im parasympathischen Bereich abläuft. Das würde äusserlich an Tai Chi erinnern. Die Grenze des Umschwungs ist dabei individuell. Als Anhaltspunkt kann gelten, ob man noch intensiv fühlt und ob man noch klare, geordnete Gedanken fassen kann. Beides ist nur möglich, wenn der Sympathikus als Überlebensnerv noch nicht vollständig die Führung übernommen hat.

Unberührt bleibt die Tatsache, dass die körperliche Anstrengung und diese am Besten mit Lust, ein notwendiger Bestandteil des menschlichen Lebens ist. Der Körper ist naturgesetzlich vorgegeben auf Bewegung ausgelegt.

Und zu guter letzt ist die Frage nach dem Motiv das Wichtigste überhaupt. Wer läuft, um sich abzulenken, hat bei derselben Belastung eine ganz andere Wirklichkeit und damit Auswirkung als jemand, der sich aus reiner Lust bewegt, weil der Körper bewegt werden will. Diese Ablenkung von Problemen, auch unbewussten, wird dann als Entspannung erfahren. Man sollte sich also sorgfältig auf das wirkliche Motiv hin prüfen.

Geistige Tätigkeiten können ebenso zur sympathikotonen Anspannung führen. Daher genügt es nicht, über Lesen zu sprechen. Die Wirklichkeit wird wie soeben zum Thema Laufen beschrieben immer nur klar, wenn man die Motivation nachfragt und auf den lebenswerten, bereichernden Wert der gelesenen Information achtet. Eine der Zerstreuung dienende Liebesromanze kann genauso wie ein Horrorroman vom Leben wegführen bzw. unter sympathikotone Spannung setzen. Die Erstere erzeugt dies durch „was muss ich tun, damit ich das auch erlebe…“, das zweite durch Aufladung tiefer Ängste.

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